Zwischen Himmel und Erde: Auf den Spuren griechischer Klöster, Götter und wilder Natur
- Henning Busse
- 11. Juni 2025
- 4 Min. Lesezeit

Die Reise führt uns weiter nach Griechenland.
Pure Sonne, köstliches Essen und zahlreiche „göttliche“ Momente warten hier auf uns – und später nur noch auf mich. Denn entlang der kommenden Route werden sich unsere Wege trennen.
Wir reisen aus dem Norden ins Land hinein und sind vom ersten Moment an begeistert. Es geht hoch hinaus und tief hinab – niemand von uns hatte mit so vielen atemberaubenden Ausblicken gerechnet. Die Berglandschaften hier sind einfach spektakulär. Durch einen märchenhaften Wald und vorbei an steilen Felshängen zieht es uns schnell zu einem Naturschauspiel, das sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde erhalten hat: als "tiefste Schlucht der Welt", was aber nicht ganz stimmt.
Die Vikos-Schlucht wurde über Millionen Jahre hinweg vom Fluss Voidomatis und seinen Zuflüssen in den Kalkstein gegraben. Das Ergebnis ist eine dramatisch eingeschnittene Schlucht mit senkrechten Wänden, die stellenweise über 1.000 Meter hoch aufragen – ein beeindruckender Anblick. Die Wanderung zum wohl schönsten Aussichtspunkt verlangt uns einiges ab, doch wir stärken uns mit Feta und griechischem Salat in einem kleinen Bergdorf. Herrlich simpel – und unglaublich lecker.
Am Ende der vielen Stufen und Wurzeln werden wir mit einem grünen Panorama belohnt, das im Gedächtnis bleibt. Die Vikos-Schlucht mag vielleicht nicht die absolut tiefste der Welt sein, aber sie gilt als die schmalste im Verhältnis zu ihrer Tiefe – ein Rekord, den man spürt, wenn man hinabblickt. Wir staunen, schauen in die Tiefe und halten Ausschau nach Gämsen, Wölfen, Bären, Geiern und Adlern, die hier in dieser vielfältigen Natur heimisch sind.
Auf der Suche nach weiteren Einmaligkeiten steuern wir als Nächstes die Pilgerstadt Kalambaka und die dazugehörige, einmalige Felsformation Meteora an. Der Name bedeutet wörtlich: „in der Luft schwebend“ – und genau diesen Eindruck vermitteln die einst 24 Klöster, die auf den rundgeschliffenen Sandsteinpfeilern thronen, die hier scheinbar aus dem Nichts in den Himmel wachsen.
Hoch oben, bis zu 400 Meter über dem Tal, erheben sich die Gotteshäuser – manche noch bewohnt, viele liebevoll gepflegt. Orte der Stille und Einkehr, die Mönchen über Jahrhunderte hinweg als Rückzugsorte in Zeiten politischer Unsicherheit dienten.
Wir steigen zu Fuß hinauf – und verstehen schnell, warum sich hier einst Menschen von der Welt abwenden wollten. Der Weg ist lang und anstrengend. Kletterer können den direkten, senkrechten Weg an den Felswänden nehmen – wir begnügen uns mit dem Klettern auf einen der größeren herumliegenden Felsen.
Denn egal wie man hier heraufkommt: Der Ausblick ist überwältigend. Eine einzigartige Verbindung aus spektakulärer Natur und spiritueller Architektur, die zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.
Genau hier trennen sich nun leider die Wege der "Turtle Family" - ein Zeichen der Götter? Denn wie durch Zufall steht diese Inschrift an unserem Campingplatz. Ein letztes Mal gemeinsam in unserer Wagenburg entspannen, ein letztes Herumtollen mit Osa, ein letztes Gruppenfoto am Campingspot. Noch einmal gemeinsam den Blick von oben genießen – und dabei die Turteltäubchen Dominik & Annika sowie Stefan & Steffi in einem schönen Foto festhalten.
Dann heißt es Abschied nehmen: Die anderen Autos machen sich auf den Weg zurück nach Norden, Richtung Heimat. Knapp zwei Wochen bleiben ihnen noch für die Rückreise. Ich dagegen ziehe alleine weiter, auf der Suche nach den griechischen Göttern – und neuen Abenteuern. Die Zeit und die Reise war wirklich wunderschön mit euch. Danke für die gemeinsame Zeit, die vielen Lacher, Gespräche und Erlebnisse. Doch ab jetzt heißt es: allein weiterziehen – und die nächsten Geschichten sammeln.
Es lohnt sich – denn jetzt steht eine der herausforderndsten Etappen an: Der Berg Olymp (griechisch: Όλυμπος, Ólympos), der höchste Berg Griechenlands. Mit über 50 Gipfeln, die eng beieinander liegen, und seinem höchsten Punkt, dem Mytikas auf 2.917 Metern, wirkt er schon aus der Ferne mächtig und geheimnisvoll.
Oft liegt er in dichten Wolken, gelegentlich in warmes Abendlicht getaucht – wie in einem Spotlight markiert. Kein Wunder also, dass die alten Griechen glaubten, hier oben wohnten die Götter selbst. Zeus, der Göttervater, residierte hier, ebenso Hera, Athena, Apollon, Artemis, Poseidon und viele mehr. Der Olymp war heilig – ein Ort über den Wolken, unzugänglich für Sterbliche. Die erste dokumentierte Besteigung gelang übrigens erst 1913. 112 Jahre später ist es nun auch für mich an der Zeit, nachzusehen, ob man dort oben vielleicht einem Gott die Hand schütteln kann.
In der letzten Berghütte vor dem Gipfel treffe ich auf Adrian, Devon, Sven und Tadhg – zwei Amerikanerinnen, einen Holländer und einen Schotten. Die Chemie stimmt sofort. Wir beschließen, am nächsten Tag gemeinsam den Gipfel zu erklimmen – und danach das Nachtleben von Thessaloniki unsicher zu machen.
Gesagt, getan. Hoch geht’s. Leider – wie so oft – in dichten Wolken. Nach mehr als 1.000 Höhenmetern Aufstieg erreichen wir den göttlichen Höhepunkt – allerdings ohne jegliche Aussicht. Trotzdem tut das dem Erlebnis keinen Abbruch. Wir stehen über den Wolken, lachen, spähen über die Klippen und suchen nach Zeus oder anderen mythischen Gestalten. Gesehen haben wir nur eine wunderschöne Gams, die uns kurz am Wegesrand begegnet – aber auch das zählt.
Dann geht’s wieder 1.800 Meter hinunter, direkt hinein in eine lange, wilde Nacht in Thessaloniki. Im Morgengrauen bringe ich Tadhg noch zum Flughafen und suche mir irgendwo in der Nähe einen ruhigen Spot zum Ausschlafen. Ein wirklich tolles Erlebnis. Nicht göttlich – aber verdammt nah dran.
Allein geht es weiter – in Richtung Athen: einer der großen Leuchttürme meiner Reise.
Ich fahre über Land, vorbei an den schönsten landschaftlichen Fotomotiven, campe wild an stillen Seen und beobachte unterwegs immer wieder majestätische Störche, die über Kirchen und Felder gleiten. Kilometer für Kilometer nähere ich mich meinem Ziel – in ruhigem Tempo, mit offenen Augen für all das Schöne am Wegesrand.
Plötzlich eine neue Erfahrung in mir: Hunde sind mir wohl mittlerweile lieber geworden, als ich dachte. Eines Nachts, irgendwo in einem einsamen Wald, bewacht ein wilder Hund mein Camp. Ich liege im Dachzelt, umgeben von Dunkelheit – und höre lautes Bellen, das die Stille im Nichts zerreißt. Aufregend, beängstigend, aber irgendwie schützend.
Am Morgen liegt er nur ruhig da, direkt neben meinem Zelt. Stolz, wachsam – als hätte er seinen Dienst erfüllt und mich vor dem sicheren Tod bewahrt. Die Belohnung: ein gemeinsames Frühstück. Ein stiller Moment voller Vertrauen.
Später, auf einem Campingplatz, die nächste kleine Überraschung: Zwei der schönsten Hunde, die ich je gesehen habe, warten dort auf mich und schauen interessiert. Herzzerreißend süß – wieder so ein Augenblick, der sich tief einprägt.
Ob ich einfach mit den beiden Golden Retrievern durchgebrannt bin und jetzt ein Leben im griechischen Outback führe – oder ob ich es am Ende doch noch bis nach Athen und hinauf zur Akropolis geschafft habe?
Bleibt gespannt.



















































































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