Vom Klippenspringen an der Südspitze Istriens zum Brennnesselschnapps tief im Wald von Zora
- Henning Busse
- 10. Mai 2025
- 3 Min. Lesezeit

Neues Land, neue Eindrücke: Es treibt uns nach Kroatien, nachdem wir Slowenien viel zu wenig Zeit geschenkt haben.
Ein erster Stop, ein Radler und ein Spaziergang in Rovinj. Ein ehemaliges Fischerdorf, das sich zu einem echten Hingucker entwickelt hat. Der kurze Spaziergang entlang der Hafenpromenade und das Vertreten der Füße auf dem Weg zur Kirche der Heiligen Euphemia, welche das Stadtbild schon aus der Ferne prägt, tut wirklich gut nach den unzähligen Autokilometern.
Wir kommen danach in der späten Abendsonne, gerade noch mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages, im Süden Istriens an. Hier sollte es uns in der Nähe von Pula einen Tag länger halten. Sicher benötigen die Motoren der Autos auch mal eine Pause, und so übernehmen nun unsere Füße die Erkundungstour. Sachen gepackt, Sonnencreme aufgelegt und eine schöne Route um die Südspitze Istriens herausgesucht. Dominik spielt perfekt den Reiseführer und sprang – eventuell auch aus Verantwortungsbewusstsein innerhalb dieser Rolle – als Erster von der ca. 9 m hohen Klippe ins kristallklare Wasser der Adria. Nur ich war waghalsig genug, ihm zu folgen. Augen zu und durch – ein Sprung, der erfrischende Abkühlung lieferte. Keiner verletzt, alle weiterhin in einem Stück und ohne Querschnittslähmung. Nachdem wir die zerklüfteten Steine wieder hinaufgeklettert sind, ging es weiter durch wildes Gestrüpp, wunderschöne Wälder, entlang karger Küstenstreifen und Schotterpisten. Am Ende trugen uns die Füße 12 km zum südlichsten Punkt Istriens und wieder zurück.
Nach Frühstück & Kaffee nach allen Künsten des Campingkochers und einer Prise gutem Schlaf führt uns die Reise weiter entlang der schönen Küstenlinie, die hinter jeder Kurve weitere atemberaubende Ausblicke für uns parat hielt.
Wer nun bei Kroatien nur an Dubrovnik oder Split denkt, hat Rijeka noch nicht entdeckt. Die drittgrößte Stadt des Landes liegt eingebettet zwischen den Hügeln des Dinarischen Gebirges und dem türkisblauen Wasser der Kvarner Bucht – ein Ort voller Kontraste und Charme. Schon bei der Ankunft spüren wir, dass Rijeka anders ist: Weniger touristisch, dafür authentisch. Die Hafenstadt war einst ein wichtiger Knotenpunkt der Habsburger und trägt noch heute den rauen Industrie-Charakter vergangener Zeiten – kombiniert mit etwas mediterraner Lässigkeit. Kulturell soll Rijeka mit einer lebendigen Musik- und Kunstszene überraschen, besonders seit sie 2020 zur Europäischen Kulturhauptstadt gewählt wurde. Auf unserem Zwischenstopp haben wir dies nicht erlebt, aber glauben es sofort.
Rijeka ist keine Postkartenstadt – aber genau das macht sie so spannend. Unser Ziel war hier das Erklimmen der 600 Stufen hinauf zur Burg Trsat. Alle sind letztlich oben angekommen, wenn auch nicht alle ohne kleinere Meckereien aufgrund der Anstrengung. Die Aussicht und die Festungsanlage diente als Entschädigung.
Genug von der Küste, quälen wir die Autos noch einmal die Serpentinen ins Landesinnere hinauf. Das Dinarische Gebirge ist wunderschön: die Wälder, die Düfte, die Leere.
Völlig einsam, hinter einem der schönsten Seen auf knapp 1000 m Höhe mitten im Wald, lebt Zora – eine rüstige 70-jährige Alleinversorgerin – zusammen mit ihrem winzigen Hund Zoe. Seit nunmehr 50 Jahren lebt sie hier. Man kann nur erahnen, was für ein Leben sie in ihrem kleinen, aber wunderschönen Haus inmitten des Waldes geführt hat. Der Garten ist herrlich hergerichtet, nachts leuchten um ihr Grundstück kleine Lampions. Vor einigen Jahren starb ihr Mann. Seitdem freut sie sich hin und wieder über Besuch von Reisenden aus aller Welt, um in Kontakt zu bleiben. Sie stellt gerne einen Teil ihres Gartens zur Übernachtung zur Verfügung – auf dem drei bis vier Autos Platz finden. Es ist unglaublich, wie gastfreundlich Zora ist. Bevor wir richtig eingeparkt haben, werden wir schon zum selbstgemachten Brennnesselschnaps gerufen. Die Holzbank, auf der wir im Garten sitzen, sieht so aus, als ob sie hier mit dem Wald zusammen entstanden ist. Wir fühlen uns verbunden, heimisch und herzlich aufgenommen.
Zora weiß genau: Es wird heute Nacht eklig – kalt und regnerisch. Die Feuchtigkeit in der Luft des Waldes verrät es ihr schon jetzt, und daher lädt sie uns für den kommenden Morgen schon am Vorabend zum Kaffee in ihre Wohnküche ein. Ein Kaminofen, ein kleiner Tisch, an dem wir alle zum Aufwärmen von der Nacht Platz finden, wackelige Stühle und ein Holzbock als improvisierter Sitz. Viel mehr ist hier nicht – aber das ist perfekt. Die Wärme von Zora überstrahlt für uns nachhaltig die des Kaffees.
Wir verlassen diesen Fleck Schönheit nur ungern. Kalt und nass war hier wirklich nur das Wetter. Zora half uns mit ihrem Elan sogar noch beim Packen der Sachen. Nach einer Umarmung ging es für uns weiter.
Die nächsten Tage sind von Wasser geprägt. Überall Wasser - in jeder Form, aus allen Richtungen.
Bleibt gespannt.

































































Toller Reisebericht und tolle Fotos - so machen wir die Tour hier am IPad einfach virtuell mit 😉 und grüßen aus der Heimat.