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Noch eine Woche Griechenland. In fast einsamer Schönheit.

Beim Abendlicht am griechischem See. Keiner hier: nur ein Brunnen, eine Sitzbank und ein großer Baum.
Beim Abendlicht am griechischem See. Keiner hier: nur ein Brunnen, eine Sitzbank und ein großer Baum.

Aus irgendeinem Grund kann ich mich einfach nicht von Griechenland verabschieden. Dabei weiß ich doch, dass es weitergehen sollte – die Türkei, und insbesondere Istanbul, ruft schon laut nach mir. Der nächste Leuchtturm strahlt mich an. Aber es ist einfach zu schön hier. Egal, um welche Ecke man biegt, welche Bucht man aufsucht oder auf welcher Anhöhe man strandet – die Ruhe, die Einsamkeit, das Wasser, die Wälder und die Sonne samt der warmen Töne, die sie beim Untergehen in die Landschaft malt. Es gefällt mir hier einfach zu sehr. Und so ziehe ich entlang einer nördlichen Route noch einmal ganz entspannt quer durch dieses Land der Götter – von West nach Ost in ruhigen Schritten.


Die Tage, die ich hier verbringe, ähneln sich oft – und gerade das macht ihren Zauber aus: geprägt von Ruhe, Einsamkeit, Stille, Weite, Wärme und Landschaft. Ich ziehe über Berge hinab zu versteckten Buchten, von kleinen Dörfern weiter zu stillen Seen. Mal besuche ich ein abgelegenes Kloster hoch oben in den Bergen, mal streife ich ziellos durch den Wald oder gehe eine Runde schwimmen. Es gibt nicht viel zu sagen und nicht allzu viel zu tun – und genau das macht den Reiz aus.



Die Stille hier hat eine eigene Qualität. Kein Straßenlärm, keine Stimmen – nur das leise Rascheln in den Bäumen, das Zirpen der Grillen, das Plätschern eines Bachs oder der Wellen am Strand. Oft stehe ich einfach nur da und schaue in die Ferne: Hügel, die sich endlos übereinanderlegen und abends in der Sonne flirren, ein Himmel, der in ruhigen Farben glüht.


Ich begegne kaum Menschen – und wenn, dann ganz bewusst. Einige Tage in völliger Entschleunigung: höchstens ein oder zwei Stunden im Auto, oder auch mal gar nicht bewegen. Den Sonntag am See verbringen, ein Buch lesen, in einem kleinen lokalen Restaurant essen, und zwischendurch unzählige Frappe-Espressi genießen.


So lässt es sich leben – leicht, langsam, still. Und von dieser Langsamkeit möchte man sich wirklich weitertragen lassen.



Gezielt fahre ich entlang des Weges einen Ort erneut an, den ich bereits vor einigen Wochen besucht hatte. Im Wald rund um Vergina ließ mir der Hund, der damals nachts mein Quartier bewacht hatte, einfach keine Ruhe. Er hatte es mir so sehr angetan, und ich war traurig, kein Erinnerungsfoto mit ihm gemacht zu haben – also musste ich einfach noch einmal vorbeischauen. Ein Wiedersehen mit Freude: Aufgeregt sprang Fudge (so sollte ich den Beagle-Mischling inzwischen nennen) im Kreis, als ich aus dem Auto stieg. Es gab Leckerli, und ich blieb wieder über Nacht. Mitnehmen war leider keine Option, auch wenn ich ernsthaft darüber nachgedacht habe. Aber eine kleine Verbindung wird bleiben. Wuff.



Anschließend ging es noch einmal auf der Durchfahrt durch Thessaloniki – die einzige Stadt entlang der Route, die die Ruhe der gesamten Woche etwas durchbrach. Ich blieb allerdings nur für ein paar Stunden, kaufte mir einen Basketball und warf bei 36 °C ein paar Körbe auf einem der größten Plätze, den ich finden konnte. Basketballplätze findet man in ganz Griechenland frei zugänglich fast in jeder Stadt und jedem Dorf – und meist wirklich gut gepflegt. Ein Traum. Ich sollte diese Woche noch an verschiedenen Orten ein wenig spielen gehen und mir so sportlich die Zeit vertreiben.


Kurz darauf fand ich eine einsame Bucht entlang der Küste. Die Zufahrt dorthin war allerdings ein echtes Wagnis – steiler und ausgefahrener hätte der sandige Weg kaum sein dürfen. Dass der Suzuki über ein Untersetzungsgetriebe und etwas mehr Bodenfreiheit verfügt, war meine einzige Rettung. Langsam, aber sicher kroch ich die Zufahrt hinunter – und noch schwieriger: tags darauf auch wieder hinauf.

Belohnt wurde ich mit einem wunderschönen Blick auf eine Bucht im Nirgendwo. Einsam. Unberührt. Eine Nacht und ein Morgen ganz ohne fremde Gesichter. Nur Natur und ich.


Ein weiterer Abstecher führte mich anschließend auf den mittleren Finger der Halbinsel Chalkidiki. Für zwei Tage war ein riesiger, beinahe gespenstisch verlassener Campingplatz, der die Corona-Pandemiezeit nicht überlebt hatte, mein Quartier. Ich fuhr noch bis zum südlichsten Punkt – ein kleiner Strand, eingerahmt vom Meer auf zwei Seiten. Ein schönes und seltenes Bild. Ein ruhiger Moment.



Danach ging es erneut hinauf in die Anhöhen des Nirgendwo: Grillen, entspannen, die Aussicht genießen – ganz ohne Eile. An einem Fluss treffe ich auf einheimische Angler, die mich spontan einladen, den späten Abend mit ihnen zu verbringen. Sie bieten mir Selbstgekochtes und Raki an – herzlich und gastfreundlich, wie die Menschen hier ohnehin sind. Auch ein paar heiße Quellen durften auf der Entspannungstour nicht fehlen. Also fuhr ich nördlich von Xanthi (übrigens ein guter Stadt-Land-Fluss-Tipp für den Buchstaben X) bis an die bulgarische Grenze nach Thermes – ein Dorf, dessen Name für sich spricht. Hier sprudelt heißes Wasser frei zugänglich aus dem Berg. Es gibt Becken und sogar alte gemauerte Katakomben, in denen man sich buchstäblich „kochen“ lassen kann. Ganz allgemein findet mein Leben derzeit komplett draußen statt – ein wunderbarer Zustand: Kochen, Duschen, Relaxen, Wandern, Umziehen, Wäsche trocknen – alles inmitten der Natur. Ein festes Dach über dem Kopf vermisse ich momentan nicht. Das Wetter spielt hervorragend mit, und mein Teint nähert sich langsam der Braunheits-Sättigungsgrenze.



Am Ende noch ein letzter Stopp in Alexandroupolis, der westlichsten Großstadt Griechenlands. Einkaufen, schlendern, snacken – und einfach den sonnendurchfluteten Tag genießen. Neben dem Campingplatz, den ich hier zur Abwechslung des sonstigen Wildcampings aufsuchte, wurde gerade der Zirkus für die nächsten Wochen aufgebaut. Nachtruhe und Arbeitsschutzmaßnahmen kennen die Schausteller jedenfalls nicht wirklich. Aber trotzdem interessant zu beobachten. Dazu ein paar weitere Schnappschüsse aus der Stadt.



Doch ich musste weiter – und ich wusste: Jetzt wird sich vieles ändern. Ich werde das Land und die Kultur wechseln. Mein Weg führt mich ab jetzt in die Türkei. Kurz hinter der Grenze setze ich direkt über auf die asiatische Seite – in die Region rund um Troja, nahe der Großstadt Çanakkale. Mein Ziel steht fest: Istanbul. Doch der Weg dorthin soll mich zunächst von Süden her führen – durch unbekannte Landschaften, neue Eindrücke, andere Rhythmen. Und dieser Weg würde noch ein paar Tage dauern.


Wie ich die neue Kultur, die Religion, die neue Landschaft und vor allem das herzliche Chaos der unglaublichen Metropole Istanbul erlebt und aufgenommen habe?


Bleibt gespannt.

 
 
 

1 Kommentar

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Petra
31. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ruhe, Einsamkeit, Stille,…“ 😱😂 Kaum vorstellbar noch wünschenswert für mich, aber vielleicht gerade deshalb so wunderbar wie Du es schilderst. 😍

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