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Kochend heiß & kulturell gewürzt – Eine Reise in die Türkei

Mit der Fähre über den Bosporus- Istanbuls Schönheit und Chaos - auf dem Wasser wie an Land. Fähren sind hier Teil des Alltags und werden rege wie Busse und U-Bahnen genutzt.
Mit der Fähre über den Bosporus- Istanbuls Schönheit und Chaos - auf dem Wasser wie an Land. Fähren sind hier Teil des Alltags und werden rege wie Busse und U-Bahnen genutzt.

Neues Land - neue Kultur

Auf geht's. Und so beschließe ich, den ersten Tag ruhig anzugehen, langsam einzutauchen und die großen Städte entlang meiner Route zunächst zu meiden.

Dass die Grenze zwischen Griechenland (EU) und der Türkei näher rückt, verrät schon der kilometerlange Stau der LKW auf der Straße. Zum Glück kommt man als Autofahrer recht zügig durch – und schon rückt die riesige türkische Flagge ins Blickfeld, die stolz und eindrucksvoll Präsenz zeigt.


Zwar nur eine Routinekontrolle und doch weckt das Dachzelt das Interesse der Grenzbeamten – ebenso wie die Frage, ob ich womöglich von Wikingern abstamme (wahrscheinlich wegen meiner Größe und dem roten Bart). Ein Lächeln, ein kurzer Smalltalk – und schon bin ich durch. Hinter der Grenze wirkt das Land sofort weiter, offener, fast endlos. Man spürt die Weite – und auch eine gewisse Leere entlang der Felder. Die Ladungssicherung der hiesigen Transporter erscheint auf den ersten Blick… kreativ. Andere Länder, andere Sitten.


Ich suche mir einen kleinen Platz am Wasser, nicht weit von riesigen Sonnenblumenfeldern, die gelb strahlen und der Hitze zu trotzen scheinen. Aus Spaß stelle ich mich mitten hinein – und fühle mich für einen Moment wie eine dieser stolzen Sonnenblumen, bevor ich meinen eigentlichen Platz am Meer beziehe.


Von hier aus kann ich tatsächlich schon die asiatische Seite sehen, auf die es mich am nächsten Tag zieht – Richtung „Troja“, der historischen Region rund um die heutige Stadt Çanakkale. Hier steht tatsächlich die originale Filmrequisite aus dem Hollywood-Blockbuster Troja – gut genug für ein Selfie.


Ich schlendere durch die charmante kleine Stadt und gönne mir meinen ersten echten türkischen Döner. Wer allerdings an die deutsche Variante gewöhnt ist, wird hier zunächst etwas enttäuscht: Fleisch, Reis, eine aufgeschnittene Tomate, ein paar Zwiebeln – das war’s. Kein Salat, keine Soßen, kein Fladenbrot.


Auf der asiatischen Seite führt mich mein Weg von Süden kommend immer weiter Richtung meines nächsten großen Etappenziels: Istanbul. Die Vorfreude steigt – und ich genieße die Fahrt bei 35 bis 38 Grad durch die hitzig-flirrende Landschaft.

Ich übernachte noch an einem abgelegenen See, mitten im Nirgendwo, bei einer Schafherde. Nur der Hirte und sein Hund kommen kurz vorbei. Ein freundlicher Plausch, ein Schluck Wasser – mehr wollte er nicht. Zum Abschied wünschte er mir gute Reise.

Herzlich.




Bursa und die Kulinarik

Auf dem Weg mache ich Halt in Bursa, der viertgrößten Stadt der Türkei und ersten Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Eine Stadt, die vor allem durch ihre reichhaltige Kulinarik bekannt ist. Unweit von Bursa liegt das Uludağ-Gebirge, das im Winter als beliebtes Skigebiet dient. Noch bekannter – zumindest im Alltag – ist aber die gleichnamige Limonade, die aus dem Wasser des Gebirges hergestellt wird. Achtung: extrem süß und angeblich mit Fruchtgeschmack. Ich würde es eher als Gummibärchen-Wasser bezeichnen.

Neben den kandierten Kastanien („Kestane şekeri“) ist vor allem der hier erfundene İskender Kebap weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt – eine lokale Variante des Döner Kebabs mit Tomatensauce, Joghurt und zerlassener Butter.

Natürlich habe ich all diese Spezialitäten probiert, bevor ich mich auf eine kleine Erkundungstour durch die Innenstadt und die engen Märkte gemacht habe.

Bunt, lebendig, freundlich, köstlich – und angenehm chaotisch. Ein Ort vielfältiger Sinneseindrücke – und schon jetzt ein Vorgeschmack auf das, was mich in Istanbul erwartet. Denn dort sollte sich all das noch einmal potenzieren.


Doch bevor es ins große Getümmel geht, treffe ich auf ein herzliches türkisches Ehepaar, das selbst unweit ihres Heimatortes mit einem selbstgebauten Camper unterwegs ist. Am Abend laden sie mich spontan zum Essen ein – alles stammt aus eigenem Anbau, wie sie mir mehrmals stolz über den Google Translator übersetzen: frische Oliven und eine Suppe aus Linsen aus dem Garten, Joghurt von ihren eigenen Schafen, Kirschsaft aus ihren Früchten. Es wird ein lustiger und herzlicher Abend, der bis spät in die Nacht dauert. Die Kommunikation funktioniert nur über Bande über die Handy-App – und trotzdem verstehen wir uns. Es fühlt sich an, als wären wir auf einer Wellenlänge.

Sie sind begeistert von der modernen Technik, die uns verbindet, und von meiner Reise. Ich bin beeindruckt von ihrer Gastfreundschaft, ihrer Offenheit und ihrer Fähigkeit, sich mit fast allem selbst zu versorgen. Ein wirklich schöner Einblick in eine freundlich-offene Kultur.




Den nächsten Leuchtturm erreicht

Ich habe es wirklich geschafft. Konstantinopel – Istanbul – wie auch immer man es nennen will. Kaum zu glauben. So richtig realisiert habe ich es noch nicht.

Ich bin gelandet, in dieser gewaltigen Metropole mit rund 17 Millionen Einwohnern – und noch einmal ebenso vielen Touristen jedes Jahr. Ein echter Schmelztiegel, die Verbindung zwischen Orient und Okzident. Und das spürt man sofort.


Ich komme von Süden in die Stadt – aus dem eher muslimisch geprägten Teil – und überquere den Bosporus unterhalb des Wasserspiegels, durch einen modernen Tunnel, der mich auf die europäische Seite bringt. Eine Fahrt mit der Fähre wäre sicher eindrucksvoller gewesen – aber das hole ich noch nach. Von oben lässt sich dieser Ort ohnehin besser begreifen. Es ist wirklich unglaublich, wie viel hier los ist. Jede Straße, jede Gasse, jeder Bürgersteig, jeder Platz ist voll mit Menschen – und Möwen. Überall Möwen, die scheinbar genauso zum Stadtbild gehören wie Minarette und Basare. Menschen unterschiedlichster Kulturen, Religionen, Sprachen und Lebensgeschichten kreuzen sich hier – wild, chaotisch, durcheinander. Und doch wirkt dieses Chaos irgendwie friedlich und charmant.


Die Innenstadt ist geprägt von unzähligen Moscheen und ihren schlanken Minaretten, die wie Nadeln aus dem Stadtbild ragen. Die Gebetsrufe klingen im Kanon über die Dächer, mal sanft, mal eindringlich – ein schöner, würdevoller Klangteppich, der die Stadt zusammenhält und ihr einen ganz eigenen Charakter verleihen.


Ein besonderes Gefühl, hier zu sein. Man spürt sofort: Diese Stadt hat so viel zu erzählen – mehr, als man in wenigen Tagen begreifen kann. Aber ich versuche, so viel wie möglich mitzunehmen. Meine Unterkunft ist ein kleines, aber modernes Hotel mitten in Eminönü – zentral gelegen zwischen dem historischen Sultanahmet mit seinen Monumenten und der modernen Seafront von Kadıköy. Von meinem Fenster aus sehe ich direkt auf den Galata-Turm, der stolz über der Stadt thront.


Die Turtle kann ich direkt vor dem Hotel an der alten Befestigungsmauer parken, die zur imposanten Süleymaniye-Moschee gehört. Eine perfekte Ausgangsposition, um die Stadt sicher und bequem zu erkunden. Also rein ins Getümmel! Auf den Brücken tummeln sich unzählige Angler, an den Ufern entspannen Menschen, auf den Märkten herrscht lebhaftes Treiben von Händlern und Touristen, und in den Cafés sitzen junge und alte Türken gemeinsam bei Tee und vertiefen sich in laute, lebendige Gespräche.

Hier kann man die Stadt wirklich spüren, indem man sie einfach durchschreitet.




Religion und architektonische Meisterwerke

Den ganzen Tag voller Eindrücke streife ich durch die Stadt. Am nächsten Tag möchte ich jedoch tiefer in die religiöse – und damit eng verbundene architektonische – Geschichte eintauchen. Also melde ich mich spontan für eine geführte Tour durch die Hagia Sophia und die Blaue Moschee (eigentlich: Sultan-Ahmed-Moschee) an, um mehr über die Vielfalt der Religionen zu erfahren.

Sultan Ahmed I., der die Moschee im Alter von 19 Jahren im Jahr 1609 in Auftrag gab, hatte schon mit 13 Jahren den Thron seines Vaters bestiegen – übrigens die erste Thronübernahme ohne die damals üblichen Brüdermorde. Mit 16 Jahren gewann er einen der größten osmanischen Kriege gegen Österreich, starb aber bereits im Alter von 27 Jahren. Ich überlege kurz, was ich so im Alter zwischen 13 und 19 getrieben habe. Naja, reden wir nicht weiter drüber.


Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er uns nun dieses großartige Bauwerk, das bis heute als Meisterwerk der Sakralarchitektur und als Wahrzeichen der Hochzeit des Osmanischen Reiches gilt. Diese Moschee war die Erste (neben der in Mekka) mit sechs Minaretten – eine so ungewöhnliche Anzahl, dass es damals zu Kontroversen kam. Sultan Ahmed ließ daraufhin in Mekka kurzerhand ein siebentes Minarett errichten.


Schon beim Betreten des riesigen Innenraums ist man tief beeindruckt. Der Boden fühlt sich flauschig an den Barfüßen an, und trotz der enormen Größe herrscht eine ruhige, andächtige Atmosphäre. Die tief hängenden, großen runden Kronleuchter, die hoch liegenden großen Kuppeln, die kunstvoll verzierten Fenster und vor allem die etwa 20.000 blau-weißen Fliesen, die die Wände mit Motiven von Tulpen, Lilien und Zypressen schmücken, verleihen der Moschee nicht nur ihre Einzigartigkeit, sondern auch ihren umgangssprachlichen Namen: die Blaue Moschee. Ein wahrer Augenschmaus und ein echtes Erlebnis.



Getoppt wird das Erlebnis im Anschluss von der Hagia Sophia. Dieses Meisterwerk des Römischen Reiches wurde vor etwa 1.500 Jahren ursprünglich als byzantinische Kirche errichtet und ist bis heute einzigartig. Die Kuppel der Hagia Sophia, mit einer ursprünglichen Spannweite von 33 Metern, bleibt bis heute die größte Ziegelkuppel, die nur auf vier tragenden Punkten ruht – ein Meilenstein in der Architekturgeschichte.

Die Hagia Sophia war die Kathedrale Konstantinopels, die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und der religiöse Mittelpunkt der Orthodoxie. Heute ist sie ein Wahrzeichen Istanbuls. Fast 1.000 Jahre lang war sie die größte Kirche der Welt, bevor sie Mitte des 15. Jahrhunderts zur Moschee umgewidmet wurde. Ihre direkte Verkörperung des Zusammenspiels von Christentum und Islam macht sie einzigartig – ein Symbol für religiöse und kulturelle Spannungen sowie deren Übergänge. Hier überlagern und verbinden sich buchstäblich die Geschichte der östlichen und westlichen Welt.


Anders als in allen anderen Moscheen der Welt findet man hier an den Wänden Gesichter in Form von Mosaiken und Gemälden – ein absolutes No-Go in der islamischen Kunst, die Darstellungen von Gottheiten verbietet. Diese Mosaike werden jedoch als zeitgeschichtliches Monument bewundert und geduldet.

Auch das Gold, der riesige grüne Teppich, die großen islamischen Kalligraphien und die kunstvollen Verzierungen beeindrucken. Hinzu kommt das Bewusstsein für die enorme Bauleistung, mit der dieses Gebäude in nur fünf Jahren – von 532 bis 537 n. Chr. – errichtet wurde. Lediglich die gebrochenen Marmorfußböden auf der zweiten Ebene und die schiefen Säulen lassen erahnen, wie vielen Erdbeben dieses Bauwerk in seinen 1.500 Jahren bereits getrotzt hat. Unser Guide meinte auf Nachfrage, dass er sich bei einem Erdbeben stets in der Hagia Sophia sicherer fühlen würde als in jedem anderen Gebäude der Stadt – eine Aussage, die statistisch durchaus nachvollziehbar ist.




Gewürze, Süßigkeiten, Schmuck & ein Prunkbau

Auf den Basaren der Stadt herrscht reges Treiben. Betritt man den Großen Basar oder den Gewürzbasar, funkelt und glitzert es überall, und in jeder Ecke duftet es anders. Kiloweise Gewürze, Schmuck, Gold sowie Süßigkeiten wie „Türkischer Honig“ (Lokum) und natürlich Souvenirs gibt es hier en masse. Ich schlendere hindurch und genieße einfach die Eindrücke. Ein wenig zu hektisch ist es mir hier schon, aber genau das gehört auch zur Erfahrung dieser Stadt.

Es zieht mich weiter zur mittlerweile größten Moschee des Landes: der Çamlıca-Moschee. Ein modernes Bauprojekt des aktuellen Größenwahns der Türkei? Manche sehen das so. „Mister E.“, wie unser Local Guide den Staatsführer etwas spöttisch nannte, ließ die Moschee ab 2013 errichten. Fertiggestellt wurde sie 2019, mit Baukosten von rund 70 Millionen Euro. Ein Prunk aus Marmor und purer Größe – diese Gebetsstätte thront auf einem Hügel hoch über der Stadt und bietet Platz für 63.000 Gläubige. Kritik hin oder her: Beeindruckend und wirklich schön ist sie allemal. Modern und doch traditionell. In wunderschönem Blau-Weiß-Gold gehalten wirkt sie trotz ihrer enormen Ausdehnung und der sechs Minarette schon fast schlicht – wobei es mir schwerfiel, das gesamte Bauwerk auf ein Foto zu bekommen.





Ein letzter Tag außerhalb der Metropole

Es zieht mich nach Norden, raus aus der Großstadt. Noch einmal aufs Land, um ein wenig Einsamkeit und Stille im Kontrast zu genießen. Hoch oben auf einem Hügel, von dem sonst Paraglider starten, ließ ich mich nieder, nachdem mein erster geplanter Spot wegen eines Buschfeuers, ausgelöst durch die Hitze, unpassierbar war. Der Ausblick über die Weiten des Landes ist hier einfach einzigartig. Oben wehte ein angenehm stetiger Wind, der bei der sengenden Hitze wirklich wohltat.



Hier ließ ich die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Ich genieße diesen Moment in Ruhe, bevor es mich am nächsten Tag weiterzieht – raus aus der Türkei in Richtung Schwarzes Meer.


Was und vor allem wer mich dort erwartet?

Bleibt gespannt.



 
 
 

1 Kommentar

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Die Daheimgebliebenen
11. Aug. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Einen grösseren Kontrast zu unserer Kultur scheint es ja kaum zu geben - total faszinierend, was du alles in der Ferne erlebst. Eine Erfahrung, welche dich dein ganzes Leben begleiten wird. Herrlich …😘

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