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Fröstelnd auf den Gipfel, barfuß durch den Canyon, kopfüber in die Geschichte.

Unser Basislager im Grebaje Valley wird von Dominik durch einen kleinen Schneemann geschmückt, bevor es auf eine besondere Gipfeltour bei den Peaks of the Balkan geht.
Unser Basislager im Grebaje Valley wird von Dominik durch einen kleinen Schneemann geschmückt, bevor es auf eine besondere Gipfeltour bei den Peaks of the Balkan geht.

Erneut teilen wir unsere Reisegruppe auf: Stefan und Steffi ziehen weiter nach Albanien. Wir werden die beiden später wieder einholen. Doch vorerst steht ein besonderes Vorhaben auf der Checkliste der anderen – denn einen kleinen Einblick in die „Peaks of the Balkans“ rund um das Dreiländereck Montenegro–Albanien–Kosovo wollen wir uns nicht entgehen lassen.


Der Berg ruft, und so beschließen wir (Annika, Dominik und ich) uns knapp hinter der Grenze in Montenegro ein kleines Basecamp im Grebaje Valley einzurichten. Nach einer letzten Pizza im letzten Dorf, die uns die lokalen Hunde streitig machen wollten, sammeln und sägen wir Holz für die bislang kälteste Nacht der Reise. Auf gut 1000 m ü. NN liegt in den schattigen Ecken noch immer Schnee, sodass Dominik unser Lager sogar mit einem kleinen Schneemann verzieren kann. Das Lagerfeuer und ein paar Schlucke Slivovitz (auf gutes Wetter wird stets getrunken) wärmen uns durch den Abend. Dominik gibt alles, was seine Lungen noch hergeben, um das noch leicht feuchte Holz letztlich doch noch zu einem ausgewachsenen Feuer zu beschwören. Im Dachzelt heißt es dann nachts: Zwiebellook ist der neue Chic.




Am nächsten Morgen brechen wir zur Gipfelbesteigung - schönstes Wetter strahlt uns hier unten im Tal noch an. Doch das sollte sich bald ändern. Beim Aufstieg sehen wir es schon aufziehen - zu spät zum Umkehren und ohne Gipfelerfolg sowieso keine echte Option für uns. Regen von oben, Schnee entlang der Füße und eine steife Prise von der Seite erwarten uns auf dem hohen Grat. Weiter kraxeln, Regenjacken an und Schritt für Schritt vorsichtig weiter.



Hartgesotten und unter minimalem Unmut einiger Begleiter kommen wir voran. Solange das Lächeln fürs Foto noch klappt, kann die Stimmung nicht allzu schlecht sein. Doch allesamt vermissen wir den schönen Ausblick vom Gipfel und kehren durchnässt, fröstelnd und doch voller Stolz – unversehrt und in Begleitung einiger Salamander – ins Basislager zurück. Geschafft. Lediglich 2057 m war unser höchster Punkt, und doch hätten wir schwören können, den Mont Blanc bestiegen zu haben.



Eine zweite Nacht hält es uns nicht in frostiger Höhe, und so schlängeln wir uns durch die Berglandschaften im Norden Albaniens – mit einer Zwischenübernachtung im Vorgarten eines kleinen Restaurants, samt herrlichstem Frühstück der Betreiber unter dem Duft von Jasminbüschen – bis in die sehr lebendige und durchaus chaotische Hauptstadt Albaniens: Tirana. Nur ein kurzer, aber intensiver Aufenthalt für uns.


Albanien ist im ganzen Land mit rund 200.000 Bunkern durchsetzt, die Enver Hoxha in den 1970er- und 1980er-Jahren im Rahmen eines groß angelegten Verteidigungsprogramms bauen ließ – aus panischer Angst vor einer ausländischen Besetzung. Wir besichtigen den größten unter ihnen, der zwar nie wirklich genutzt wurde, aber Platz für das gesamte albanische Parlament und die militärische Führung bot. Eine seltsame Zufahrt mit dem Auto durch einen mächtigen Betontunnel mitten in der Stadt müssen wir durchqueren – schon hier ein bedrückendes Gefühl.

Bombensichere Betonwände und Stahltüren, die einem Atomschlag standhalten, über 100 Räume auf fünf Etagen unter der Erde, samt großem Versammlungssaal, kann man heute besichtigen – gepaart mit unzähligen geschichtlichen Fakten zur Vergangenheit Albaniens, dessen streng sozialistischer und von Säuberungen geprägter Geschichte, sowie zahlreichen Kunstinstallationen, die darauf Bezug nehmen.


Bunk’Art nennt sich dieser Mix aus Bunkeranlage, Geschichtsmuseum und Kunstgalerie. Er lässt uns staunend und etwas demütig zurück. Wir verstehen ein Stück besser, dass dieses Land und die Menschen hier viel durchgemacht haben – und so blicken wir fortan etwas anders auf die Landschaft, die Leute und die Kultur in Albanien.



Die schöneren Seiten Albaniens finden wir – neben den süßen Teilchen der Konditoreien – vor allem in der Natur wieder. Es sind wohl eher nicht die unzähligen Autofriedhöfe oder die heruntergekommene Industrie entlang des Weges. Die Wirtschaft hat es hier bis heute schwer, und die Infrastruktur erklärt sich am besten durch Bilder wie das wirre Stromnetz in den Städten, die Viehwirtschaft auf dem Land, mit der wir uns mehrfach die Straße teilen, oder das offene Verbrennen von Müll – überall entlang der Strecke, weithin sichtbar durch dunkelgraue bis schwarze Rauchschwaden.



Gen Süden halten wir am wunderschönen Langarica-Canyon bei Përmet, der heiße Schwefelquellen beherbergt. Geruchstechnisch eher zwei von fünf Sternen – visuell schon deutlich besser. Man kann hier baden oder einfach nur die Füße aufwärmen, wenn man – wie wir – die kilometerlange Schlucht barfuß entlangwatet. Springende Fische, hohe Felsen zu beiden Seiten und eine Steinbrücke am Eingang sind dann doch fünf von fünf Sternen wert. Toll. Gerne wieder.



Noch einmal verbringen wir Zeit an einem wunderschönen See – mit herrlicher Kulisse für das Abendbrot bei Abendrot. Wir überlegen, welche nächsten Abenteuer und Entdeckungen wir noch gemeinsam erleben wollen. Eines ist uns klar: Eine der tiefsten Schluchten der Welt darf auf unserer Reise nicht fehlen! Wo genau die liegt – und ob keiner von uns hineingefallen ist?


Bleibt gespannt.


 
 
 

1 Kommentar

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Die Daheimgebliebenen
04. Juni 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Kalte Berge, heiße Quellen, sozialistische Historie und ein lebendiges Tirana - alles habt ihr kennengelernt. Verhungert und verdurstet ist scheinbar auch noch keiner - also auf zu neuen Abenteuern.🚙

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